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Nebenwirkungen - muss das sein?

erstellt von Dr. Karin Schmiedel

Sicherlich kennen Sie den Satz: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Und vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es kaum ein Medikament ohne Nebenwirkungen gibt.

Als Apotheker begegnet uns immer wieder die Frage, warum Arzneimittel Nebenwirkungen haben. Bei der Entwicklung von Medikamenten wird stets versucht, Arzneimittel zu finden, die ganz spezifisch auf eine Struktur im Körper wirken. Die Schwierigkeit ist jedoch, dass sich in unserem Körper viele ähnliche Strukturen finden. So reagieren wir zum Beispiel in einer stressigen Situation, indem Adrenalin ausgeschüttet wird. In der Folge schlägt das Herz schneller, der Blutdruck steigt, die Bronchien werden weit gestellt und der Atem geht schneller. All diese Wirkungen entfaltet Adrenalin über sogenannte Betarezeptoren, die wir – wie das Beispiel zeigt – sowohl am Herzen als auch in der Lunge finden. In den Asthma-Notfallsprays nutzen wir genau die Wirkung an der Lunge aus: Die Patienten haben in ihrem Notfallspray Wirkstoffe, die wie Adrenalin auf die Betarezeptoren der Lunge wirken und die Bronchien erweitern. Die Patienten bekommen wieder Luft.

Problematisch wird es, wenn das Asthma sich beispielsweise durch einen akuten Infekt verschlechtert und der Patient das Notfallspray plötzlich sehr häufig braucht. Dann kann es sein, dass der Blutdruck steigt. Denn die Wirkstoffe gelangen bei sehr hoher Dosierung auch an das Herz und an die Blutgefäße und wirken dann auf die dort vorhandenen Betarezeptoren.

Die Tatsache, dass unser Körper an vielen Stellen ähnliche Strukturen hat, macht es so schwierig Medikamente ohne Nebenwirkungen zu entwickeln. Manchmal treten Nebenwirkungen erst auf, wenn man zu viel von dem Medikament einnimmt. In anderen Fällen ist man schon bei der üblichen Dosierung von einer Nebenwirkung betroffen. Dann hilft es gelegentlich, wenn eine andere Wirkstoffklasse verordnet wird. Und in wieder anderen Fällen nutzt man die Nebenwirkung aus. So verwendet man die ersten Antiallergika, die sehr müde machen, heute oft als Schlafmittel.

Sie sehen: Nebenwirkungen von Arzneimitteln lassen sich oft nicht vermeiden. Wenn Sie glauben, dass Sie von einer Nebenwirkung betroffen sind, sollten Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt oder Apotheker sprechen. Setzen Sie Ihr Medikament nicht eigenmächtig ab, sondern finden Sie mit unserer Hilfe eine Lösung, die zu Ihnen passt.